Sunday, February 04, 2007

Die Katze im Sack







Zuerst das Allerwichtigste:
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mieky!!!

(Ich sollte fairerweise hinzufügen, dass das Foto mit der Weinflasche meine Idee war. Danke fürs Mitspielen!)

Seit Freitag haben wir eine Pflegekatze, und es ist bisher ... ähm, eine interessante Erfahrung.

(Wer sich nichts aus Katzen macht, sollte diesen Eintrag lieber überspringen.)

Sein Name ist (jedenfalls bisher) Dizzy; ich kenne ihn von M'Shoogy's, dem Tierheim, wo ich ehrenamtlich arbeite. Mir war bekannt, dass er als junges Kätzchen einen Autounfall hatte und seitdem einen leichten Hirnschaden hat. Mit der Zeit begann ich mich zu fragen, ob er nicht gut zu unserem anderen Kater Django passen würde. Ich erkundigte mich bei den anderen Ehrenamtlichen, was sie über ihn wussten. Die Antworten waren beruhigend. Also fuhr ich Freitag zum Tierheim, pflückte den erstaunten Dizzy aus seinem warmen Körbchen und trug ihn in einem Transportkorb zum Tierarzt, um ihn durchchecken zu lassen. Nachdem dieser uns grünes Licht gegeben hatte, nahm ich ihn mit nach Hause.

Wir räumten ihm so viel Privatsphäre wie möglich ein, indem wir ihn in unserem Schlafzimmer einrichteten und die Tür angelehnt oder ganz geschlossen hielten. Das klappte aber nicht besonders, da Django bald Anspruch auf "sein" Schlafzimmer erhob und die Tür ggf. einfach aufstemmte, und Dizzy selbst einen starken Drang danach entwickelte, seine neue Umgebung zu erforschen. In der ersten Nacht begann er zu miauen, sobald ich das Licht ausmachte, und Brandon fand ihn, wie er im Haus herumwanderte, jaulend und völlig panisch im Kreis laufend (wohl typisch für Katzen mit Hirnschaden). Das Drama lief die halbe Nacht. Ich schlief nach jedem Jammern wieder ein, aber Brandon teilte mir am nächsten Tag mit Ringen unter den Augen mit, dass er nicht wisse, ob das Ganze wirklich eine gute Idee sei. Er meinte, wir hätten den Kater völlig überfordert, indem wir ihn aus seiner gewohnten Umgebung gerissen hätten.

Gestern ging es bergauf, und heute wurde es noch besser. Er frisst nun regelmäßig, trinkt, springt aufs Bett und wirft sich vor uns auf den Boden, um sich kraulen zu lassen. Ein gewaltiger Fortschritt seit Freitag! Wenn wir Dizzy jetzt noch dazu bringen könnten, nicht ständig (und aus unerfindlichen Gründen) so markerschütternd zu miauen! Hoffentlich gibt sich das in den nächsten Tagen oder Wochen, sonst haben wir bald a) ernsthaften Schlafentzug oder b) den Tierschutzverein vor der Tür!

Und jetzt noch ein herziges Bild von Django und Dizzy auf unserem ungemachten Bett:

Samstag haben wir mit Polly und Dave ein "non-holiday dinner" veranstaltet. Ich hatte zu Weihnachten von meiner alten Firma einen gefrorenen Truthahn bekommen, der natürlich noch gegessen werden musste! Dazu gab es Füllung, Soße, Kartoffelpüree, Maisauflauf, glasierte Karotten, Salat, Yorkshire Pudding, grüne Bohnen, gebackene Bohnen und zum Nachtisch Käsekuchen mit weißer Schokolade und Himbeeren. Heute gab es Reste, morgen vermutlich auch noch mal!!!

Currently reading:

James Cochrane: Between you and I. A little book of bad English.

(Ich dachte mir, kann ja nicht schaden, für die Arbeit und so ... aber es liest sich auch gut, ganz leicht und lustig, und ist ehrlich interessant!)

Friday, February 02, 2007

Fröhlichen Groundhog Day!

Wie ich höre, hat Punxsutawney Phil heute morgen keinen Schatten gesehen und einen frühen Frühjahrsbeginn vorausgesagt.
Das wäre schön, denn hier ist es z.Zt. ständig unter 0 Grad! Aber wenigstens hat es seit Mittwoch nicht mehr geschneit ...!

Brandon war von Montag bis Mittwoch auf einer Konferenz in Washington, D.C. Sein Hotel war nur 2 Blocks vom Weißen Haus entfernt, und so konnte er abends ein paar Sehenswürdigkeiten abklappern, z.B. die Library of Congress, Washington Monument, die Lincoln-Statue usw. Er war sehr angetan von der Stadt. Vielleicht können wir ja mal zusammen dorthin fahren; ich würde dort nämlich auch gern hin.

So, und ich habe ein langes Wochenende von heute bis einschließlich Montag! Juhu!!

Sunday, January 21, 2007

Ach ja, und über meinen Deutschland-Urlaub wollte ich ja auch noch schreiben!
Es war wirklich wahnsinnig schön, alle wiederzusehen!! Einige hatte ich ja 2 Jahre lang nicht gesehen, aber wie Lena absolut richtig meinte, ändern sich gute Freundschaften nicht so schnell - man sieht sich nach 1- oder 2-jähriger "Pause" wieder und steigt gleich wieder ein, als hätte es keine Unterbrechung gegeben. Bin heilfroh, dass es so ist. :-)
Auf dem Hinflug bin ich leider 1 Tag zu spät angekommen, die nächsten 6 Tage war ich dafür nur unterwegs und habe auch Unmengen an Freunden und Verwandten treffen können. Meine Schwester habe ich jeden Tag gesehen, meine Eltern natürlich sowieso (ich wohnte schließlich bei ihnen!!). Überall gab's lecker Wein, viel zu quatschen, Plätzchen und vielleicht ein Zigarettchen - von meiner süßen Schwester gespendet.

Und ich muss auch dieses Mal klipp und klar sagen, dass es schön ist, nach Deutschland zu kommen - und nicht nur, weil es mein Heimatland ist. Es ist dort viel angenehmer, als es - gerade von Deutschen - oft dargestellt wird. Wenn man länger im Ausland war, und dazu noch in einem Land wie den USA, wo gerade auf professionelle Freundlichkeit großer Wert gelegt wird, könnte man ja meinen, bei der Rückkehr nach Deutschland kriegte man den absoluten Kulturschock! Kann ich aber wieder nicht bestätigen. Klar ist das subjektiv, und Ausnahmen gibt es immer ... yada yada yada ... aber der erste spontane Eindruck, den ich (wieder) von Deutschland hatte, war: sauber, modern, fröhlich, gut organisiert und sehr ästhetisch - ob es die grünen Wiesen mit den Kühen waren oder die appetitlichen Bäckereitheken oder die kleinen Lädchen in den Innenstädten, die zu keiner Kette gehören und wo die Mitarbeiter richtige Spezialisten sind. Und jetzt könnt ihr mich erschlagen! ;-)

Das einzige, was mich wirklich geärgert hat, war das ewige Gedrängel. V.a. am Zug - als ob der einem vor der Nase wegfahren würde, wenn man nicht als Erster drin ist!! Ich war mit meinen 2 Koffern beim Einsteigen ja etwas im Nachteil und konnte dann zusehen, wie sich etliche eigentlich ganz normal aussehende Leute an mir vorbeipfuschten. Beim Aussteigen habe ich dafür mit meinem Gepäck so den Ausgang verbaut, dass sie mich als Erste rauslassen mussten. He he.

Auf dem Rückflug hatte ich 3 Sitze für mich allein und habe mir zum Essen ein Glas Wein geleistet, da Silvester war und ich (korrekt) das Gefühl hatte, dass die Fluggesellschaft keinen Sekt springen lassen würde. Mein Anschlussflug in Chicago hatte Verspätung, weil der Flughafen durch die ganzen "Umbucher" aus Denver und den anderen Katastrophenstädten überlastet war. Gegen 22h ging es aber weiter; Brandon holte mich in Kansas City ab, und kurz nach Mitternacht wünschten wir uns auf der Heimfahrt über die I-29 ein frohes neues Jahr. Mitten in der Nacht sprang dann auch noch unser Kater schnurrend aufs Bett; Brandon hatte schon erzählt, dass er die Woche über immer wieder nach mir Ausschau gehalten hatte.

Ach, und am nächsten Tag gab es weitere Geschenke auszupacken. Juhu!!

Recently read:
Flugzeug (Hinflug): Bill Bryson: The Life and Times of the Thunderbolt Kid, über Amerika in den 50er Jahren. Sehr lustig, und ich glaube, ich verstehe jetzt so einiges ...!
Flugzeug (Rückflug): Carlos Ruiz Zafon: Der Schatten des Windes. Ein Weihnachtsgeschenk von Heike. Ein "Verschling-Roman".
Wieder in St. Joe: Manuel Andrack: Du musst wandern.

Currently reading:
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg
und als Audiobuch im Auto: David Sedaris: Dress Your Family in Corduroy and Denim.

Saturday, January 20, 2007

Hallo?
Ähm ... gähn ... ist es schon "morgen"? Ich wollte doch einen neuen Post schreiben ... ich bin doch nicht zu spät dran, oder? Ähm.
Langer Rede kurzer Sinn: Die letzten 3 Wochen sind verflogen wie nichts! Ich bin kaum dazu gekommen, zu spülen oder den Kater zu füttern. Brandon kenne ich natürlich noch; das ist der, der abends etwas Tiefgefrorenes für mich in den Ofen wirft. (Oder?!?) An Bloggen - Gedanken ausformulieren? Eine kohärente Geschichte erzählen?!? - war nicht zu denken. Das soll sich jetzt aber wieder ändern!
Nachdem ich aus Deutschland wiederkam, hatte ich den Neujahrstag zum Verdaddeln und Herumkrosen, was ich dann auch ausgiebig getan habe. Dienstag kam ich zurück zur Arbeit und stellte fest, dass die Personalabteilung immer noch keine Zeitarbeiterin als Ersatz für mich besorgt hatte. Dafür hatten sie meine Stelle inzwischen offiziell ausgeschrieben, und es gab auch schon Interessenten innerhalb der Firma. Nur mussten sie die Ausschreibung laut der Richtlinien mindestens 2 Wochen hängen lassen, und mein letzter Arbeitstag war ja nun mal blöderweise der 8.

Meine Vorgesetzte wurde dann ungewohnt laut, und so traf Mittwoch doch noch eine Zeitarbeiterin bei uns ein. Sie war umgänglich, pünktlich, kapierte alles schnell - wir atmeten auf! Bis sie Donnerstagnachmittag fragte, ob sie eine realistische Chance hätte, meine Stelle dauerhaft zu übernehmen. Andernfalls werde sie nämlich ein anderes festes Angebot annehmen. So standen wir Freitag wieder ohne Ersatz da, und ich musste Samstag noch mal für einen halben Tag hin, um die neue Zeitarbeiterin in aller Eile anzulernen. Freitag gab es auch ein Pizza-Abschiedessen von meinen Bürokollegen, und ich gab all meine Schlüssel und den Extrahelm zurück. Und somit war meine Zeit in der Stahlgießerei endgültig beendet.

Seitdem arbeite ich in einem Backsteingebäude in einem "Office Park" in Overland Park, 2 Minuten von der Autobahn entfernt. Mein Arbeitsplatz (im Großraumbüro) ist sauber und ruhig, und abends kommt eine mexikanische Putzkolonne und saugt den Teppichboden. Es gibt keinen geistig behinderten Putzmann, der Bilder für die Frauen malt und mich mit seinen James-Brown-Imitationen erschreckt. ("Wwwhhooooooaaaaa!!! I feel good - na na na na na na na ...") In der neuen Firma stürmt auch kein Schichtleiter ins Büro, beim Faulenzen erwischte Arbeiter im Schlepptau, um sie vor seinem Schreibtisch aufzureihen und aus vollem Hals anzubrüllen. Hier sterben schlechte Mitarbeiter, wie mir gesagt wird, einen schnellen und lautlosen Angestellten-Tod, in erster Linie Vertreter, die ihre Quote nicht erfüllen. Meine neue Vorgesetzte ist nett und seit neun Jahren bei der Firma; sie hat schon in fast allen Abteilungen gearbeitet und kennt sich aus.

Wie ich vor ein paar Tagen von ihr erfahren habe, ist sie angewiesen, weiterhin nach einem Assistant Manager für ihre Abteilung zu suchen - das ist die Stelle, auf die ich mich ursprünglich beworben hatte und die ich momentan mehr oder weniger ausfülle. Allerdings bin ich stattdessen "nur" als Specialist eingestellt worden, da mir Erfahrung als Managerin fehlt und ich Nicht-Muttersprachlerin bin. Nach meiner 3-monatigen Probezeit will der Chef der Firma sehen, in welcher Abteilung er mich dauerhaft einsetzt. ("Es kann auch eine ganz andere sein! Und ich möchte, dass Sie sich in unsere diverse Software einarbeiten!") Es macht also eigentlich keinen Unterschied; trotzdem ärgert es mich, dass mir diese Stelle somit schon einmal versperrt ist. Meine Vorgesetzte sorgt sich da allerdings nicht; das Unternehmen expandiert so schnell, dass es dafür gerade eine Integrationsabteilung einrichtet, in der die gleichen Stellen zu besetzen sind. Sie selbst hatte mich ursprünglich auch eher als Unterstützung für die einzige Redakteurin des Unternehmens vorgesehen. (Interessant, was man im Nachhinein über seinen Bewerbungsprozess erfährt!)
Wie ich immer wieder höre, muss man in diesem Betrieb sehr flexibel sein. Meine Vorgängerin wurde zur Leiterin der Integrationsabteilung befördert, indem der Chef eines Tages in die Produktionsabteilung gewandert kam und verkündete: "Ich nehme L. jetzt mit." Mir als stabilitätssüchtiger Deutschen wird da erst einmal schwarz vor Augen. Aber wie Brandon weise spricht: "Einen Job wie in der Stahlgießerei findest du immer wieder." Also lasse ich mich überraschen! Drückt mir die Daumen! Wenn ich den Laden nächstes Jahr leite, stelle ich euch alle ein! Wenn ich zur Papierfalterin degradiert werde, kann ich dann bitte bei euch arbeiten kommen???

Monday, January 01, 2007

Frohes Neues Jahr!


December 2006 038
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Bitte auf das Bild klicken, um zu meinen anderen Fotos zu gelangen...
Bericht folgt morgen!

Tuesday, December 12, 2006

Lichter, Blinkeffekte und Rentiere

Es ist ja bekannt, dass die Amerikaner mehr Geld, Zeit und Mühe in ihre Weihnachts-Hausdekoration investieren als so ziemlich jede andere Nation. (Gegenbeispiele würden mich schwer interessieren!) Vor allem bei der Außendeko darf man nicht geizig sein, auch wenn die Stromrechnung einem dann die Tränen in die Augen treibt.

Euch ist natürlich klar, dass dies Klischees sind und bei weitem nicht auf jeden amerikanischen Haushalt zutreffen! Trotzdem erstaunlich, was ich schon bei einem 10-minütigen Spaziergang durch unsere unmittelbare Nachbarschaft beobachten konnte! (Anmerkung: Mit einzelnen Sternen oder Lichtergirlanden habe ich mich gar nicht erst näher befasst. Das kann schließlich jeder.)

Barb, so etwas meintest du sicher mit dem blinkenden Leucht-Rentier-Schlitten-Vorgarten, oder? Und es gibt mit Sicherheit noch bessere Beispiele in der Stadt, ich war bisher nur zu faul, nach ihnen zu suchen!






























Saturday, December 09, 2006

Peggy's 80th birthday


Peggy's 80th birthday 020
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Letzten Sonntag waren wir bei der 80. Geburtstagsfeier von Brandons Oma Peggy.

Im Vorfeld gab es einige Missverständnisse, wann ihr eigentlicher Geburtstag war (ich: "Es geht eindeutig aus der Einladung hervor, dass genau an ihrem Geburtstag gefeiert wird. Also am 3.12." - Jonathan: "Nein, zu mir hat sie gesagt, ich würde an ihrem Geburtstag wieder abfliegen. Also am 26.11." - Meine Eltern: "War die Feier schon? Wir haben ihr bereits vor Wochen eine Karte geschickt." - Brandon: "Mist, heute ist schon der 29. Ich rufe sie besser mal an." - Oma Peggy: "Ach, der war schon am 22., ha ha. Macht doch nichts, Schatz. Ich freue mich, dass ihr anruft.").

Am Mittwoch vor der Feier bildete sich nachmittags plötzlich Glatteis. Den Süden von Missouri hatte es richtig schlimm erwischt, dort lag sogar Schnee. Freitag verbrachten wir beide unseren Arbeitstag mit der Nase am Wetterprogramm und malten uns aus, was für ein Horror uns auf der Fahrt erwarten würde. Natürlich fuhren wir trotzdem, und die Fahrt verlief völlig problemlos, auch wenn es ab Kansas City deutlich mehr Schnee und getrocknetes Eis an den Straßen gab. Gegen 23h saßen wir bei Brandons Eltern im warmen Wohnzimmer und tranken Bier. (Na schön, das Bier habe ich getrunken... Brandon lag in der Zeit auf dem Boden und jammerte über seinen armen Rücken.)

Samstag wurde ich mit amerikanischem Frühstück geweckt: Würstchen, Eier, Biscuits & Gravy, Hash browns und O-Saft. Brandon ließen wir ausschlafen. Ich kaufte schnell ein Weihnachtsgeschenk in der Stadt (hallo, Mieky! He he!), und dann fuhren Ron, Lisa und ich zu Oma Peggy, deren Haus schon aus den Nähten platzte vor Gästen: Rons Bruder Ken und seine Frau mit ihrem Sohn Ben - den wir öfter sehen, da er nur ca. 2 1/2 Std. von uns entfernt wohnt, in unserem Alter und sehr, sehr nett ist - waren gerade aus Iowa angekommen; ein Cousin von Ron war mit seinen beiden Kindern aus Kalifornien da, und eine Großtante und ein Großonkel kamen soeben noch aus Illinois dazu. Letztere ließen wir mit Peggy im Haus zurück und fuhren zur Kirche, um den Pfarrsaal zu dekorieren. Anschließend ging es zurück zu Peggy, die mit ihren Gästen schwätzte, nebenbei souverän ein Dutzend Schweinekoteletts und Kartoffeln in einer riesigen elektrischen Pfanne röstete, das Gemüse umrührte und darauf bestand, dass wir alle zum Essen blieben. (Die Frau ist der Wahnsinn!) Brandon war inzwischen auch angekommen, und nach dem Essen nahmen wir Ben mit zurück zu Brandons Eltern, damit er dort mit uns fernsehen, im Gästezimmer übernachten und ein wenig Privatsphäre haben konnte.

Sonntag Morgen gab es das zweite große Frühstück: Pancakes mit Butter und Ahornsirup, Eier und Würstchen. Mein Cholesterinspiegel hat sich vermutlich bis heute nicht davon erholt... Anschließend ging es in die Kirche, danach hatten wir fast 2 Stunden bis zum Beginn der Geburtstagsfeier. Brandon, Ben und ich fuhren zu Subway und bestellten uns Sandwiches. Ein paar Minuten Relaxen bei Brandons Eltern im Wohnzimmer, und schon waren wir auf dem Weg zum Kuchen-und-Punsch-Empfang. Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass Alkohol in und an den meisten amerikanischen Kirchen nichts zu suchen hat. Osternächte mit Baguette und Rotwein, Sektempfänge nach Hochzeiten auf dem Kirchenvorplatz oder Bierzelte beim Pfarrfest sind ein gigantisches "No-no", unvorstellbar. Zu besonderen Angelegenheiten gibt es oft einen Empfang mit Plätzchen oder Kuchen und Punsch, der aber absolut alkoholfrei ist. In diesem Fall war er gelb, sehr süß und köstlich und bestand aus pürierten Ananas und Bananen, Orangensaft, Sprite und fragmichmal... ihr könnt es euch sicher ungefähr vorstellen! Dazu gab es nicht weniger als drei Torten: Schokolade, Mandelcreme und ... rund? (Die letzte wurde nicht einmal angeschnitten.) Dazu gab es die obligatorischen "mints", kleine Zuckerdrops - ähnlich wie weiche Baiser - in den Hauptfarben der Deko, d.h. in diesem Falle fliederfarben.

Zwei Stunden lang wanderten wir herum, unterhielten uns mit so vielen Gästen wie möglich, signierten das Gästebuch, posierten für ein Gruppenfoto und begannen schließlich den letzten Akt: das Verabschieden, das hier oft fast genau so lange dauert wie die eigentliche Feier. Man darf nämlich nicht etwa ein zackiges "Tschüß, bis später" in die Runde werfen, sondern muss wortwörtlich von einem zum anderen gehen, ankündigen, dass man nun bald fahren werde, gemeinsam bedauern, dass man sich gar nicht unterhalten konnte, sich in ein 30-minütiges Gespräch verwickeln lassen, dieses behutsam beenden, sich ausgiebig verabschieden und allerlei Kontaktinfos austauschen, zum Nächsten wandern und den ganzen Vorgang von vorne beginnen. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dass "wir fahren jetzt" eigentlich "... in ca. 1 1/2 Stunden" bedeutet, ist es eigentlich recht angenehm.

Gegen 21h waren wir wieder in unserem eigenen Haus, begrüßten unseren Kater, stellten die Zeitschaltuhren aus, packten das Nötigste aus und bereiteten uns mental auf eine weitere Arbeitswoche vor.

Tuesday, November 28, 2006

New York


New York 2006 031
Originally uploaded by danny_bone.
Über Thanksgiving war ich also in New York!
Es war absolut genial; ich bin entschlossen, bei Gelegenheit gleich wieder hinzufahren. Aber ein paar Jahre wird es wohl dauern; erst mal sind andere Orte dran...
Maike, Tobi, Bobby, Susi und ich waren jeden Tag von früh bis spät auf den Beinen und haben unglaublich viel von dem geschafft, was wir alle sehen wollten! Am 1. Tag war ich 14 Std. in der Stadt unterwegs, am 2. Tag 12 1/2. Als ich am 3. Morgen um 4.45h in den Shuttle zum Flughafen stieg, fühlte sich mein rechtes Bein so an, als wäre es schief eingeschraubt. Mein Knie protestierte bei jeder Treppe, die ich hinunter steigen musste. Das kommt davon, wenn man sich im Alltag so sehr auf das Auto verlässt...

Und hier waren wir in den 3 Tagen, die ich da war, aufzufinden:

Donnerstag - Ankunft (Danny) am Flughafen ca. 17.45h, der blöde Bus, der mich zur Upper West Side bringen soll, kommt leider erst ca. 25 Min. später. Einchecken, ein paar Notwendigkeiten besorgen (Vorhängeschloss für das Schließfach im Zimmer, da Danny die Infos auf der Website nicht richtig gelesen hat; 4-Dollar-Schirm, da es ziemlich heftig regnet), SMS von Susi, Abendessen im mexikanischen Restaurant und Pläneschmieden für die nächsten Tage.

Freitag - Treffen am Times Square, Frühstück auf dem Weg = Bagel mit Frischkäse, mmmh. Kurzer Abstecher zu Macy's am wahnsinnigsten Einkaufstag des Jahres (Schlussverkauf am Tag nach Thanksgiving!), nach Musicalkarten für Maike und Tobi schauen, Pause im Park, dann Treffen mit Susi und Privatführung durch die UN. Danach Financial District und kurzer Blick auf Ground Zero (viel kleiner, als ich ihn mir vorgestellt hatte), anschließend Museum of Modern Art. Abendessen mit Susi und Bobby, während Maike und Tobi sich "The Producers" reinziehen. Danach Treffen von allen am Marriott Hotel am Times Square, wo man von der Bar "The View" auf dem Dach einen traumhaften Ausblick haben soll. Leider bewegt sich die Schlange nicht vorwärts, so dass wir schließlich entnervt aufgeben und nach Hause fahren.

Samstag - Frühstück mit meiner Bekannten Robin aus Lebanon und ihrem Mann. Pancakes mit Orangenbutter, dazu frisch gepresster O-Saft. Wieder mmmh! Danach laufe ich am Central Park West entlang Richtung Süden und treffe mich mittags mit den anderen in Brooklyn. Dort gehen wir spazieren und laufen dann über die Brooklyn Bridge zurück nach Manhattan. Wahnsinnig viele Leute sind unterwegs!
Zurück in Manhattan gehen wir uns Chinatown ansehen, dann weiter nach Little Italy und SoHo. Zum Abschluss gehen wir wieder essen. Meine Füße bringen mich schon mindestens seit der Brooklyn Bridge um, deswegen gehe ich nicht mehr mit in die Piano Bar, sondern haue mich 4 Std. aufs Ohr, bevor mich der Shuttle abholt.

In Kansas City angekommen, schaffe ich mindestens 7 Kapitel aus meinem Buch, bis es Zeit für Brandon ist, seinen Freund Jonathan abzusetzen, der nach 2 1/2 Wochen bei uns wieder nach Deutschland fliegt. Nachdem er eingecheckt hat, scheucht er uns regelrecht aus dem Flughafen. Zu Hause falle ich ohne Umschweife ins Bett und verpenne fast den ganzen Nachmittag. Ich wache erst auf, als es schon wieder dunkel wird.

Meine eigenen Fotos habe ich bei Flickr eingestellt; wer sich dafür interessiert, kann sie sich durch Klicken aufs Foto ansehen. Weihnachten werden wir unsere Fotos austauschen, dann kommen sicher noch mehr dazu...

Currently reading: "Memoirs of a Geisha". Perfect travel reading.

Tuesday, November 21, 2006

Vom Himmel hoch, da komm ich her

Und zwar am 24.12. gegen 11h in Frankfurt/Main. Aufsteigen werde ich dann am 31.12. gegen 14h wieder. (So ist es jedenfalls geplant, aber auf dem Hinflug habe ich nur 40 Min. zum Umsteigen in Chicago!)
Hat jemand in der Woche dazwischen Zeit und Lust zu einem Treffen????????? Bitte meldet euch per E-mail, Chiffre "massig Gluehwein".

Jetzt fliege ich aber erst einmal fuer ein langes Wochenende nach New York...

P.S. Hiermit nominiere ich meine Ueberschrift fuer den "cheesiest headline of the year award"! Bekomme ich weitere Stimmen?

Saturday, November 11, 2006

Mäten is en goden Ma- - , heyyy, Moment mal

Meine Schwester hatte heute eine Hauptrolle beim Martinszug in Cronenberg...


... sie war St. Martin!

:lol:
Steht ihr das Outfit nicht gut? Und sie musste nicht mal einen Bart tragen!
Das macht sie zum jüngsten und hübschesten St. Martin, den ich je gesehen habe - und auf dem riesigen Pferd trotzdem zu einer eindeutigen Autoritätsperson!
Das hätte ich nun wirklich gern selbst gesehen!!

P.S. Ich habe endlich eine Liste mit den Shortcuts für die Umlaute erstellt. Jetzt habe ich also keine Ausrede mehr...

Monday, November 06, 2006

So pretty

Der Herbst fasziniert mich jetzt schon zum dritten Mal, seit wir hierher gezogen sind: So leuchtende Farben! So huebsche Strassen voller Laub, und historische Haeuser rechts und links! (Das gilt nur fuer Atchison, nicht St. Joe.) Und Regen! Mein Lieblingswetter! Fast wie zu Hause.

Unser Vermieter versucht jetzt, das Haus neben uns zu verkaufen. Bin mal gespannt, wer da einzieht. Aber vielleicht sind wir bis dahin selbst schon wieder weg. Ich lese jetzt regelmaessig die Anzeigen in der Zeitung, v.a. seit der Vermieter Samstag schon wieder kommen und die Abflussrohre freimachen musste. Jawohl. Und das ist alles, was ich dazu sagen will!

Ich liebe unser neues Auto! Diese Woche werde ich noch den Nissan zur Inspektion bringen, dann lassen wir ihn auf uns umschreiben, und dann gehoert auch er uns offiziell!
Mittwoch kommt Brandons Freund Jonathan aus Deutschland zu Besuch. Sie gehen die naechsten 2 Wochenenden mit Ron und Brandons Opa jagen. Drueckt ihnen die Daumen, dass sie sich gegenseitig kein Loch in die Jacke schiessen!!!

Hier geht uebrigens eine Grippewelle um. Ich habe mir eine Erkaeltung eingefangen, die ich nicht wieder loswerde. Gut, dass ich hier deutsche Tempos gefunden habe! Sie sind viel dicker und angenehmer als diese amerikanischen Lappen... Aber amerikanische Erkaeltungsmittel hauen einen dafuer aus den Schuhen! Ich nehme die "Ueber-Nacht-Version" und komme morgens kaum aus dem Bett. Und das sind die rezeptfreien Mittel! So, gerade klingelt mein Tee in der Mikrowelle. Schnaubende Gruesse und bis bald, Eure Danny

Sunday, October 22, 2006

Unsere neuen 4 Raeder






Hier seht ihr unseren neuen, gebrauchten, seit 1 Tag in unserer Hand befindlichen "Zweitwagen"!!! (D.h. eigentlich sehen wir ihn bereits als Erstwagen an und unseren alten Nissan als Nebenfahrzeug! Wir rechnen schon durch, wer den Neuen wann fahren darf...)

Es ist ein Pontiac Sunfire, Bj. 2002. Brandons Stiefvater Ron hat ihn fuer uns Ende der Woche organisiert, nachdem er gehoert hatte, was fuer Autos wir selbst in die naehere Auswahl genommen hatten. (Wir hatten letzte Woche angefangen zu suchen. Mehr dazu gleich.) Wir waren erst nicht begeistert von der Idee, unser erstes selbstgekauftes Auto nicht selbst auszusuchen, aber waren uns einig, dass er es ja mal probieren koennte. Als er Freitag morgen anrief und erzaehlte, was er aufgetrieben hatte, waren wir ganz schnell ueberzeugt. Auch wenn dieser Wagen vom Stil her nicht gerade unsere erste Wahl gewesen waere, stimmt sonst alles: Alter, Zustand, Preis, Kilometerstand, Spritverbrauch... Ron kennt sogar die Vorbesitzerin!

Nachdem der Kauf klar gegangen war, wollten Brandons Eltern den Wagen eigentlich heute abend zu uns hochfahren und morgen frueh mit dem Pick-up, der dafuer in Zahlung gegeben wird, zurueck. Gestern abend um 18h klingelte unser Telefon (Brandon war im CD-Laden arbeiten): "Hier ist Ron. Ich fahr jetzt auf 71 auf. In knapp 2 Stunden bin ich bei euch." - "Wie, was. Heute?!?" - "Ja, ich muss morgen zu einer goldenen Hochzeit, also dachte ich mir, ich komme schon heute." - "Ooooh. Keeehhh..." (Irrer Blick durch die Kueche und das Gaestezimmer, das noch wie Sau aussah.) "Na klar, das ist doch gar kein Problem. (Aehem!)" - "Schoen! Der Wagen faehrt sich wirklich fantastisch. Habt ihr eine kuehle Flasche Wein im Haus?" - "Nein, aber das liesse sich organisieren." - "Super. Wir sollten feiern."

Also feierten wir. Als Brandon nach Hause kam, sassen wir schon am 2. Glas, hatten Vor- und Nachteile verschiedener Autos diskutiert und Versicherung, Steuern und neue Kennzeichen durchgekaut. Dann nahmen Brandon und ich unser neues Auto auf eine Spritztour um den Block (er fuhr, ich durfte nicht mehr). Es faehrt wirklich super-angenehm. Morgen muessen wir es auf uns anmelden. Dann nimmt Brandon es Mittwoch bis Freitag gleich in Beschlag, denn...

... Brandon hat einen neuen Job!!
Jaaaaa!!! Seit letztem Montag arbeitet er fuer das Rehabilitation Center der Stadt, eine gemeinnuetzige Organisation, die seit kurzem eng mit dem Arbeitsamt und diversen anderen Stellen zusammenarbeitet. Seine Stelle nennt sich "Disability Program Navigator" und seine Aufgabe ist im Groben, die Vermittlung von Jobsuchenden mit Behinderungen zu foerdern. Da er der erste D.P.N. in Missouri ist, muss er selbst anfangs alle Kontakte zu Firmen und anderen Beteiligten herstellen, die Oeffentlichkeit ueber das Programm informieren und zudem mehrere Career Centers in der Region betreuen. Er muss also viel herumfahren und braucht dazu natuerlich ein zuverlaessiges Fahrzeug. (Hallo, Pontiac!) Diese Woche schicken sie ihn fuer 3 Tage auf eine Konferenz in Iowa, und das soll erst der Anfang sein...
Bisher gefaellt es ihm sehr gut; er kommt mit allen Kollegen gut aus und hat schon ein paar nette Kontakte zu Firmen in der Stadt knuepfen koennen. Ausserdem hat er seinen eigenen Arbeits-Laptop bekommen.

So, diese Neuigkeiten wollte ich nur mal eben loswerden!
Jetzt muss ich auch schon wieder ins Bett; damit wir morgen um 15h zusammen zur Kfz-Meldestelle koennen, muss ich schon um 6h bei der Arbeit sein. Aber fuer diesen Zweck lohnt es sich ja!

Saturday, October 07, 2006


Das Kaetzchen aus der Nachbarschaft brauchen wir uebrigens doch nicht zu adoptieren! Brandons Eltern hatten letztes Wochenende gesehen, dass sie in eine der Wohnungen in dem Apartmenthaus nebenan hineinging. Brandon wusste, dass die Mieterin dort das blaue Auto faehrt, das immer auf dem ersten Parkplatz steht. Er pinnte ihr einen Zettel an die Windschutzscheibe, in dem er ihr die Situation erklaerte und sie fragte, ob sie die Katze bereits bei sich aufgenommen haette.

Am naechsten Abend klopfte sie bei uns an die Tuer - mehr als nur ein bisschen verschreckt: Jaaa, sie haette das Kaetzchen mehr oder weniger bei sich aufgenommen, wuerde es schon seit Monaten fuettern und haette ihm Flohbaeder, Wurmkuren u.ae. gegeben... Sie habe nicht viel Kontakt mit Menschen, und das Kaetzchen wuerde ihr Gesellschaft leisten... Sie duerfte doch gar keine Tiere in der Wohnung halten, aber sie wuerde in den naechsten Monaten zu ihrem Sohn und seiner Familie ziehen, die in Kansas auf dem Land wohnen...
An der Stelle schlug Brandon ihr vor: "Wenn jemand Sie fragt, sagen Sie halt einfach, es waere unseres!" Da kapierte sie, dass wir ihr das Kaetzchen nicht wegnehmen wollten, und taute ein bisschen auf. Sie erzaehlte, dass sie es bald kastrieren lassen wollte, aber es sich bisher noch nicht leisten konnte. Ich empfahl ihr den Tierarzt neben dem Tierheim in Savannah, wo ich ehrenamtlich arbeite, weil er viel guenstiger ist als andere Tieraerzte.
Wir schwaetzten noch ein bisschen ueber Katzen, dann wollte sie unsere Namen wissen, und jetzt kennen wir eine weitere Nachbarin! Lustig, wie das manchmal zustande kommt!

P.S. Sie nennt das Kaetzchen "Sassy". Wir hatten ihm einen viel weniger niedlichen Namen gegeben, den ich hier verschweigen will, aber schaut euch doch diesen Schnurrbart an...!

Tuesday, October 03, 2006

Go Chiefs!!

Dass Football im amerikanischen Alltag eine so grosse Rolle spielt wie Fussball in Deutschland, ist wohl allgemein bekannt. Big Dave nutzt die Schwaeche seiner Kunden fuer die Kansas City Chiefs schon mal aus, indem er auf Mahnungen "Go Chiefs!!" schreibt und einen kleinen Smiley dazukritzelt. Erhoeht die Zahlungsbereitschaft wohl unglaublich.

Dass ich selbst noch nie einen Zeh in ein Fussballstadion, geschweige denn eins fuer Football oder Baseball, gesetzt habe, duerfte wohl auch niemanden schockieren. Umso stolzer kann ich jetzt sagen, dass ich am Sonntag auf meinem ersten Footballspiel war: die Chiefs gegen die San Francisco 49ers - Brandons Eltern hatten uns Karten besorgt und fuhren selbst hin. Da konnten wir natuerlich nicht nein sagen.

Um 12 Uhr mittags ging das Spiel los. Um 9:30 Uhr fuhren wir aus St. Joseph ab. Gegen 10:30 Uhr stiessen wir auf der I435 auf die Mutter aller Staus und stellten schnell fest, dass es sich dabei um alle anderen Footballfans der Welt handelte. Ca. 45 Minuten ging es nur im Schritttempo vorwaerts. Es war genau wie auf der A1 am Hagener Kreuz im Berufsverkehr, zum Heulen schoen... Schliesslich tauchte aber doch das gigantische Stadium am Rand der Autobahn auf. Als naechstes ging es nun ans Parkplatzsuchen, denn soweit das Auge reichte, hatten die riesigen Gelaendewagen der anderen Fans schon alles belegt. Sie parkten auf den markierten Plaetzen, am Rand des Weges, am Hang, die Huegel hinauf... und dazwischen standen ueberall Grills; Unmengen an Menschen in roten Chiefs-T-Shirts tranken Bier, assen Hot dogs und feierten. Da die Ordner uns allesamt einfach weiter durch winkten, landeten wir schliesslich auf einem abgelegenen Huegel direkt an der Autobahn. Und selbst dort mussten wir, um parken zu koennen, noch eine "dritte Reihe" aufmachen. Aber dafuer kostete der Parkplatz auch "nur" 20 Dollar!

Am Stadioneingang wurden die Besucher in getrennte Schlangen nach Maennern und Frauen aufgeteilt; alle Taschen wurden von Sicherheitspersonal durchsucht und alle Fans ebenfalls. Lisa und ich bekamen von einer sturzbetrunkenen Dame in voller Chiefs-Kriegsbemalung eine halbe Dose Bier angeboten, da sie sie nicht mit ins Stadium nehmen durfte. Wir lehnten hoeflich ab. Wie die Geschichte ausging, weiss ich leider nicht, denn auf den Raengen war schon die Hoelle los, also beeilten wir uns und schafften es genau zur Nationalhymne auf unsere Plaetze.

Zum Spielverlauf kann ich leider nicht viel sagen, da ich die Regeln von Football nicht verstehe, nie verstanden habe und vermutlich auch nie verstehen werde. Aber die Chiefs gewannen das Spiel 41:0, was, wie man mir sagt, ein ziemlich eindeutiges Ergebnis ist. In allen vier Ecken des Spielfelds waren Cheerleadergrueppchen ununterbrochen bei der Arbeit, und zwischen den vier Spielvierteln gab es groessere Einlagen von ihnen. Ein Maskottchen haben die Chiefs auch; es sieht aus wie eine Ratte im roten Chiefs-T-Shirt. (Ein Indianerhaeuptling ist wohl nicht politisch korrekt genug?!?) Nach Touchdowns liefen ausserdem vier Fahnentraeger mit Chiefs-Fahnen kreuz und quer ueber den Platz. Bisschen irritierend, aber huebsch anzusehen...

Wenn es spannend wurde, sprangen alle von ihren Plaetzen auf und schrien. Das ist ein wenig laestig, wenn man nicht weiss, was vor sich geht, aber ich machte mit, weil ich sehr, sehr geduldig bin. Die Belohnung liess nicht lange auf sich warten: Erdnuesse! In der Schale! Und die Schalen durfte man einfach auf den Boden werfen! Dann begannen die La-Ola-Wellen, und das machte richtig Spass. Ich versuchte, eine zu filmen, aber dafuer waren meine Batterien mittlerweile schon zu schwach.

Hier sind ein paar von den Bildern, die ich gemacht habe:

Blick von unseren Plaetzen aus


Cheerleader bei der Arbeit


Ron ist albern...


... und ich habe einen riesigen Schaedel.

(Ron und ich mussten zwischendurch die Plaetze tauschen, da die Fans hinter mir so laut waren. Da Ron schwerhoerig ist, hat es ihn nicht gestoert. Mann, waren die laut! Bei der Gelegenheit habe ich einen neuen Begriff gelernt: "armchair quarterback". Das ist der gleiche Typ Sportfan, der auch in Deutschland vor dem Bildschirm sitzt und bruellt: "Los, beweg dich...!!")

Im Gegensatz zu Fussball wird ja bei Football unendlich oft pausiert, die Mannschaften stellen sich an einer anderen Position neu wieder auf, die Schiedsrichter beraten sich untereinander... Das bietet sich doch geradezu an, um Werbung fuer den oertlichen Toyotahaendler zu machen, einen 25-Dollar-Gutschein fuer Price Chopper zu verlosen oder ein paar T-Shirts ins Volk zu werfen! Somit war also buchstaeblich immer Halligalli. Waehrend der Halbzeit fuehrten ca. 150 Damen aus verschiedenen Jazzercise-Gruppen etwas vor. Wie uns der Moderator vorher erklaerte, hatte jede von ihnen sich das Recht erworben, an dieser Vorfuehrung teilzunehmen, indem sie mindestens 250 Dollar fuer einen guten Zweck gesammelt hatte.

Nach dem Spiel lief die Abfahrt erstaunlich schnell und reibungslos ab. Ueberall standen Polizisten und Ordner, die jedes Auto dahin bugsierten, wo sie es haben wollten. Auf der I435 hatte man kurzerhand einen Abschnitt ganz abgesperrt, so dass die Autos alle 4 Spuren zur Abfahrt Richtung Stadt nutzen konnten.
Wir fuhren zurueck nach St. Joseph, stellten fest, dass wir am Verhungern waren, und gingen im Whiskey-Creek-Steakhouse essen.

Soviel zu meinem ersten Footballspiel!

Das Calexico-Konzert am Samstag war ebenfalls super! Sehr viel Spass gehabt! Das indische Abendessen vorher war auch nicht zu verachten. :-)

Currently reading: Too Brief a Treat: The Letters of Truman Capote

Friday, September 29, 2006

Aliens, Teil II

Heute kam dann schon wieder Post von den Immigration folks:
Ich habe nun einen Termin in Kansas City fuer den 10. 10., 9h morgens. Ich soll bitte moeglichst keinen Gipsverband oder offene Wunden an der Hand haben, damit sie meine Fingerabdruecke bekommen...

Meine Vorgesetzte, der ich den anderen Brief heute morgen gezeigt hatte, hatte kein Problem damit, dass ich zu einem solchen Termin muss.

Jetzt drueckt mir bitte noch die Daumen, dass sie uns das Interview ersparen...!

Thursday, September 28, 2006

I'm an alien, I'm a legal alien

Heute kam ein Brief vom Department of Homeland Security, Abteilung U.S. Citizenship and Immigration Services. Wurde auch langsam Zeit! Meinen Scheck hatten sie ja sehr schnell abgebucht, aber dann herrschte die letzten 4 Wochen erst mal Funkstille...

Wie es ueblich ist, haben sie meine Aufenthaltserlaubnis erst mal um 1 Jahr verlaengert, waehrend sie meinen Antrag bearbeiten. Im Brief wird aber schon angekuendigt, dass ich demnaechst einen Termin fuer ein "biometric appointment" zugeteilt bekomme. Dort werden dann wieder einmal meine Fingerabdruecke abgenommen, Fotos gemacht, und eine Unterschrift brauchen sie auch. Ich hoffe, dafuer muss ich nur bis Kansas City fahren! Den Antrag musste ich naemlich in Lincoln/Nebraska einreichen.

Ich weiss auch nach wie vor nicht, ob ich zusaetzlich noch zu einem "interview" vorgeladen werde. Wenn der Antrag allein sie ueberzeugt, koennen sie einem das "interview" naemlich auch erlassen, und darauf hoffe ich eigentlich! Ich habe keine Lust mehr, Unmengen an Zeit und Geld auf diverse Antraege und Neuantraege zu verschwenden... Darum haben wir einen fetten Ordner mit viel mehr Informationen hingeschickt, als sich die Damen und Herren wahrscheinlich gewuenscht haetten - und immer wieder betont, dass wir ja schon seit 12 Jahren ein Paar sind! Wie viele der Sachbearbeiter dort sind wohl seit 12 Jahren in der gleichen Beziehung? Eben!!!

Meinen Arbeitgeber wird's aber freuen, dass ich jetzt wenigstens fuer das naechste Jahr abgesichert bin! Nachdem im Fruehsommer bei Durchsuchungen in zwei Unternehmen in St. Joseph illegale Einwanderer entdeckt wurden, bekam ich naemlich gleich mehrere Anrufe aus der Personalabteilung. Sie hatten daraufhin mal in meine Akte gesehen und bemerkt, dass meine Green Card Ende Oktober ablief, und nun boten sie mir ihre Hilfe an. Ich hatte Muehe, ihnen zu erklaeren, dass sie mir dabei nicht helfen konnten, dass meine Green Card aber mit Sicherheit verlaengert wuerde und dass ich ganz, ganz sicher nicht zu einem "illegal alien" werden wuerde. Morgen bringe ich ihnen den Brief mit. Sie werden strahlen!

Unsere verrueckte Nachbarin ist nun wohl endgueltig weg. Brandon hat sie erzaehlt, dass unser gemeinsamer Vermieter sie mehr oder weniger vor die Tuer gesetzt hat. Aus Rache laesst sie mehrere Kubikmeter Muell und Geruempel zurueck. Was sie auch hier laesst, ist ihr schwarz-weisses Kaetzchen, das wir schon seit Wochen mit durchfuettern. Wir werden es wohl bei uns aufnehmen... und haetten damit wieder zwei Katzen im Haus!

Tuesday, September 26, 2006

Homegrown Radiostars

Gestern abend waren wir also in Kansas City bei der Lesung von Garrison Keillor, dessen Buch "Homegrown Democrat" gerade als Taschenbuch bei Penguin erschienen ist.

Wir waren ausnahmsweise mal puenktlich und konnten uns einen Platz in den hinteren Reihen im Uptown Theatre aussuchen. Der Saal war schon vollbesetzt und ein anderer Autor mitten in einem Vortrag ueber Ungereimtheiten an den 9/11-Ereignissen. Nicht direkt Verschwoerungstheorien, aber Punkte, die laut Experten nicht so abgelaufen sein koennen, wie sie offiziell dargestellt werden. Ich habe in letzter Zeit so einige Artikel dazu gesehen und fand das Thema eigentlich ganz interessant, aber der Grossteil des Publikums wollte nichts davon wissen. Es gab Zwischenrufe, Buhs und jede Menge Applaus, als die Organisatoren dem Autor mitteilten, er muesse leider schliessen, damit die Garrison-Keillor-Lesung beginnen konnte. Naja.

Dann kam Garrison Keillor auf die Buehne, und die naechsten 1 1/2 Std. waren lustig ohne Ende... Er las mehrere Ausschnitte aus dem Buch vor, zwischendurch erzaehlte er Anekdoten und Beobachtungen, und dann konnten Fragen gestellt werden (das war recht daemlich, wie ja leider meistens). Schliesslich erwaehnte er, dass seine Radiosendung "A Prairie Home Companion" naechsten Juni in Kansas City zu Gast sein wird, und der Jubel nahm natuerlich kein Ende... Cool! Wir hatten schon vor gehabt, einmal zu einer Aufzeichnung nach St. Paul/Minnesota zu fahren - so ist es natuerlich noch besser!

Zuguterletzt signierte er sein Buch. Ich hatte so etwas noch nie mitgemacht und fand es alles in allem ziemlich abstossend. Wir standen ueber 1 Stunde in der Schlange am Buechertisch, vor uns ein Paerchen, das seinen halben Buecherschrank zum Signieren mitgebracht hatte (ich haette sie erwuergen koennen), und beobachteten, wie die Leute mit dem Autor plauderten, sich x-mal fotografieren liessen, ihm Kuesschen aufdrueckten und gar nicht mehr gehen wollten. Kurz vor dem Ende der Schlange wurden wir von einer Organisatorin abgefangen, mussten unsere Namen nennen und bekamen ein Post-it mit dem Namen ins Buch geklebt, damit es beim Signieren schneller ging.

Als wir endlich an die Reihe kamen, sass Mr. Keillor schon laengst auf einem Tisch, Krawatte gelockert, Haare zerzaust und sah aus, als ob er am liebsten schon im Hotel waere. Ich war froh, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, denn er sah nicht so aus, als ob er noch viel Spass daran hatte, fuer Fotos zu posieren. Er sprach uns aber beide beim Signieren an, machte ein bisschen Smalltalk mit uns, und wir konnten ihm sagen, wie gut uns seine Sendung gefaellt. Ich erzaehlte ihm, dass ich sie zuerst in Deutschland auf PRI gehoert hatte. Er meinte, ich haette gar keinen deutschen Akzent... ha, ha!

Dies waere also erledigt! Ob ich allerdings noch einmal einen solchen Rummel mitmache, nur um ein signiertes Buch zu bekommen, bezweifle ich. Ich kam mir ein bisschen vor wie eine Schaulustige. Ausserdem habe ich ja jetzt ein signiertes Buch! Hier ist der Beweis:

Saturday, September 23, 2006

Iiihhhh...


Dieses Ding habe ich heute auf der Veranda entdeckt...
Itsy bitsy spider my ass!!

Ich habe das Kunstwerk also zerstoert und war nur froh, dass dieser Brocken es nicht ins Haus geschafft hatte. Letzte Woche hatte es sich dort eine Spinne von der Groesse einer Haselnuss (die Beine nicht eingerechnet) ueber unserem Sofa bequem gemacht. Ich wollte sie nicht entfernen. Brandon wollte sie nicht entfernen. Was tun?
Als sie nach 2 Tagen immer noch dort hing, griff ich zur Selbsthilfe, briet ihr ordentlich eins mit Brandons Schuh ueber und trug den Schuh samt dran klebender Spinne vor die Haustuer. Und dann sah ich sie in der Dunkelheit davonlaufen! Anscheinend hatte ich sie nur bewusstlos geschlagen...
Ende gut, alles gut - niemand musste sterben, und unser Wohnzimmer ist wieder spinnen-frei!

Saturday, September 16, 2006

Last-minute-Kulturtipp

Fuer alle, die an diesem schoenen Samstag abend zufaellig noch nichts vorhaben:
Das Orchester meiner Mutter gibt ein Konzert, das live auf WDR3 uebertragen wird - hier!
Ich werde es mir also uebers Internet live anhoeren koennen. Cool, oder?

Was gibt's sonst Neues?
Ich habe mal wieder kurze Haare...

Vielleicht lasse ich mir noch Straehnchen machen - aber je heller meine Haare sind, desto juenger sehe ich aus, also muss ich mir vielleicht etwas anderes einfallen lassen. Mal sehen...
Das war's!

Thursday, August 31, 2006

Turtles on fenceposts

Letztes Wochenende bei A Prairie Home Companion haben sie Folgendes sehr respektloses ueber George W. Bush gesagt (sinngemaess natuerlich, ich habe ja Besseres zu tun, als Radiosendungen auswendig zu lernen ;-)):
"President Bush is like a turtle on a fencepost: You don't know how he got up there, you know he didn't get there by himself, and you sure want to help him get down."
Ich habe die ganze Woche darueber gelacht. Dann habe ich zwar festgestellt, dass das mit der Schildkroete ein altes Sprichwort ist. Lustig finde ich es aber immer noch...